Die Reihenhäuser der Albert-Schweitzer-Siedlung im Pogwischrund (früher genannt Ellernkamp) wurden ab 1955 von der Hamburg Rahlstedter Baugenossenschaft (HARABAU) errichtet. Voraussetzung dafür war, wie üblich und gesetzlich vorgeschrieben, der Bau eines Abwasser- und Regenwassersystems, welches nach Fertigstellung in den Besitz der Stadt Hamburg übergehen sollte. Das Regenwasser wurde seinerzeit in einen offenen Graben geleitet, welcher um die Siedlung verlief.


 

Ein gemeinsames Erbe:

Die Regenwasserproblematik im Pogwischrund

Die Verwaltung und Instandhaltung der Straßen, Beleuchtung, Gemeinschaftsanlagen etc. wie auch der Regenwasserableitung wurde damals von der HARABAU übernommen und gemeinschaftlich den Eigentümern/Mietern als laufende Kosten in Rechnung gestellt.


Nachdem sich ca. 1961 Ratten im Graben angesiedelt hatten wurde der Graben seitens der HARABAU verrohrt und zugeschüttet.



Vertraglich (sowohl im Bauantrag, als auch im Wartungsvertrag) festgesetzt
war eine Übergabe der Straßen- und Regenwasserverwaltung an die Stadt Hamburg, welche offenbar nie verbrieft stattgefunden hat.


Aufgrund fehlender schriftlicher Vereinbarungen bei späteren Verkäufen der Häuser gerieten die Existenz der Ringrohrleitung als auch deren Verwaltung in Vergessenheit, bzw. war den Folgebesitzern nicht bekannt.


1987 wurde die Verwaltungsvereinbarung einseitig von der HARABAU gegenüber den Erstkäufern für beendet erklärt. Den wenigsten Eigentümern wird damals bewusst gewesen sein, was das im Einzelnen für sie bedeutet.

Die zugeschüttete Fläche, unter der die Rohrleitung verläuft, wurde erst als Weg genutzt, später jedoch von der HARABAU den Anliegern zur Einfriedung und freien Nutzung überlassen. Eine diesbezügliche Regelung (Übergabe der hinzu gekommenen Fläche sowie Zuständigkeit für die Regenrohrleitung) wurde anscheinend weder vertraglich geregelt, noch in den Grundbüchern verankert.


Die Verpflichtung zur Instandhaltung der Schmutzwasserrohre hingegen ist für jeden Eigentümer des Pogwischrunds per Grundbucheintrag in Abteilung II geregelt.

In den nachfolgenden Jahren lief das Regenwasser ohne nennenswerte Schwierigkeiten ab, so dass die Ringleitung nicht weiter in Erscheinung trat. Ab dem Jahr 2008 traten jedoch immer öfter Probleme (erst in Hausreihe 11, später in den Hausreihen 15 und 16) durch rückstauendes Regenwasser auf, welche durch Wurzeleinwüchse in der Ringleitung auf dem Gelände der HARABAU verursacht wurden.

Um weitere Schäden an ihren Häusern zu verhindern, begannen die Eigentümer der

betroffenen Hausreihen auf eigene Faust Recherchen anzustellen. Erst dadurch wurde vielen Anwohnern die Existenz und der Verlauf der Regenringleitung bekannt.


Die akuten Probleme des nicht ablaufenden Regenwassers wurden durch Maßnahmen von Bewohnern der betroffenen Hausreihen, die sich zu einer Eigentümergemeinschaft zusammenschlossen, sowie später auch durch die Beteiligung der HARABAU vorerst gelöst. Es wurde von beiden Seiten gewünscht, eine dauerhafte Regelung zu treffen, die die Zuständigkeit der Wartung und ggf. Instandhaltung der Regenringleitung vorsieht.


Alle Nachfragen zur Klärung der Zuständigkeit beim Tiefbauamt, Hamburg Wasser, dem Amt für Grundstücksentwässerung, bei der Stadtentwicklungsbehörde, beim Bauprüfungsamt, dem Stadtarchiv als auch bei der HARABAU blieben erfolglos, da anscheinend keinerlei Unterlagen existieren, die die Zuständigkeit klären könnten. Noch heute erfolgt offiziell, laut Aussage des Tiefbauamtes, die Ableitung des Regenwassers über einen offenen Graben.


Die Eigentümergemeinschaft der Hausreihen 15 und 16 informierte die übrigen Eigentümer im Pogwischrund mit einem Infobrief im August 2010.

 

14. Juni 2011: Die HARABAU lädt zum Treffen am Runden Tisch.


In den Räumen der HARABAU trafen sich Vertreter von

–  der Eigentümergemeinschaft (diese leiten – wie alle Anlieger des Pogwischrunds –
     in die Regenringleitung ein, die teilweise unter ihren Grundstücken liegt)

–  der HARABAU, vertreten durch den Vorstand (die HARABAU ist

     ursprünglicher Bauherr und leitet ebenso ihr Regenwasser in die Ringleitung)

–  der Tiefbauabteilung (welche Teile des Straßenwassers in die Ringleitung einleitet)

–  als auch von Hamburg Wasser (als Betreiber des Sielnetzes, an welches der

    verrohrte Graben angeschlossen ist)



Was kam beim diesem Treffen heraus?


Von Seiten der HARABAU wurde eingeräumt, dass die Amtsvorgänger in den 50er Jahren wohl viele Arbeiten noch per Handschlag geregelt haben und (nach einjähriger Recherche...) KEINE Dokumente aus dieser Zeit zu finden seien. Die Probleme scheinen erst in jüngerer Zeit aufgetreten zu sein, vorher hätte man nichts davon gehört. Die HARABAU fühlt sich historisch zwar nicht direkt in der Verantwortung, möchte aber auch eine einvernehmliche Regelung finden und auch die Stadt mit in die Pflicht nehmen.


Aus der Sicht der Stadtentwässerung (Hamburg Wasser) ist die Ringleitung eine reine Angelegenheit zwischen den Anliegern, da sie die Ringleitung weder gebaut noch verwaltet hat und bereits der ermäßigte Regenwassertarif berechnet wird (Anmerkung: Bis wir telefonisch auf die Situation hinwiesen, zog Hamburg Wasser von einem guten Dutzend der Eigentümer über Jahrzehnte die volle Regenwassergebühr ein!).


Das Tiefbauamt bestätigte die Aussage der HARABAU, auch bei ihnen scheinen keinerlei Unterlagen bzgl. des Baus und Wartung der Ringeitung zu existieren. Da die Stadt das Straßenregenwasser über die Ringleitung abführt, soll auf höherer Ebene nachgefragt werden, in welchem Maße sich die Stadt Hamburg an einer Regelung, auch finanziell, beteiligen wird.


Es  wurde übereinstimmend beklagt, dass der Bau der Ringleitung keine gute Wahl war und ein weiterhin offener Graben die wenigsten Probleme hervorgerufen hätte.


Alternative Überlegungen (wie z.B. die Abfuhr des Regenwassers in ein Siel unter der Straße) wurden verworfen, da allein die reinen Baukosten einer Regenleitung sich auf mehr als 600,- Euro pro laufendem Meter rechnen würden. Dies würde allerdings weitere Baumaßnahmen mit sich führen: Der gesamte Pogwischrund müsste neu erschlossen werden, bestehende Leitungen darunter erneuert, die Straße sowie die Beleuchtungsanlagen zeitgemäß gebaut werden. Dieses würde Unsummen verschlingen, die zu dem Wert der Häuser in keinerlei Verhältnis stehen und den Anwohnern nicht zuzumuten sind.


Die HARABAU erklärte sich bereit, alle an dem von ihr bewirtschafteten Strang der Ringleitung anliegenden Eigentümer anzuschrieben, um sie für das Problem zu sensibilisieren.

Bestandsaufnahme 


2012 folgte eine Bestandsaufnahme seitens der HARABAU, in welcher der Verlauf der Leitung und deren Zustand dokumentiert wurde. Es wurde von einer Fachfirma grob kalkuliert, wie hoch die laufenden Kosten – auf alle Anrainer (Eigentümer, HARABAU und evtl. Stadt Hamburg) umgelegt – werden könnten, um davon die Wartung, Instandhaltung und nötige Reparaturen decken zu können.


In mehreren Versuchen wurde laut HARABAU die Stadt angesprochen, einen Teil der Kosten mit zu übernehmen (immerhin leitet sie bei Starkregen das überlaufende Wasser der Straßensiele in die Ringrohrleitung), leider ohne Erfolg.


In diversen weiteren Gesprächen mit der HARABAU wurde über die Verteilung der Kosten einer möglichen Gemeinschaftslösung diskutiert sowie die Möglichkeit, die Gräben wieder zu öffnen, ausgelotet.




2014 –  Ist eine Lösung in Sicht?


Im Verlauf der weiteren Gespräche kristallisierte sich heraus, dass nur zwei mögliche Ansätze Bestand haben: 


A: Die gemeinsame Lösung, bei der sämtliche Eigentümer zusammen mit der HARABAU einen Dienstleister für die Reparatur, Einrichtung neuer Reinigungsschächte und dazugehöriger Zufahrtswege sowie Wartung der Ringrohrleitung beauftragen. Diese würde über eine Einmalzahlung (für Grundreinigung und Renovierung) und monatliche Beiträge (für eine regelmäßige Reinigung) zu gleichen Teilen getragen werden. All das hätte eine vertragliche Regelung mit allen Eigentümern und einen Grundbucheintrag (wie bereits für die Abwasserleitung unter allen Häusern) zur Folge.


B: Die Jeder-für-sich-Lösung (wie nach aktueller Rechtsauffassung der HARABAU gültig und bisher praktiziert): Jeder Eigentümer ist für Reinigung und Wartung des auf seinem Grundstück verlaufenen Teils der Ringrohrleitung zuständig. Dies würde zur Folge haben, dass die HARABAU die Ringrohrleitung auf ihren Grundstücken (Die Wiese vor Hausreihe 15 sowie der Spielplatz vor Hausreihe 17) öffnet und zu einem Graben zurückwandelt. Die Grabenöffnung stünde auch den jeweilig anliegenden Eigentümern frei.




Anfang August 2014 haben wir jedem Eigentümer einen Infobrief mit dem aktuellen Stand der Situation sowie der Bitte zur Stellungnahme in den Briefkasten gelegt. An der Anzahl der Rückmeldungen werden wir ablesen, ob sich ein weiteres Vorgehen in Richtung gemeinsamer Lösung lohnt.


Wenn ein deutlich überwiegender Teil der Eigentümer Interesse signalisiert, könnte ein gemeinsamer Infoabend mit der HARABAU stattfinden, an dem Genaueres erläutert wird oder weitere Vorschläge eingebracht werden können.





























































UPDATE / Aktualisierung Frühjahr 2015:


Auf unsere Umfrage hin zeigten nur 40 von 87 angeschriebenen Eigentümern Interesse an einem Gespräch zur Zukunft der Regenwasserabfuhr. Daher sehen wir letztlich eine gemeinsam getragene Lösung als nicht realisierbar.


Auf telefonische Nachfrage erklärte die HARABAU, ab voraussichtlich April 2015 den auf ihren Grundstücken gelegenen Teil der Ringrohrleitung wieder zu einem Graben zurückzubauen. Dies ist eine Lösung, die auch bei den meisten Anwohnern, mit denen wir sprachen, den größten Zuspruch findet.


Wir hoffen, dass eine möglichst anwohnerverträgliche Umsetzung realisiert wird, welche die Nutzung des Spielplatzes (vor Hausreihe 17) und der Spielwiese (vor Hausreihe 15) nicht sonderlich beeinträchtigt sowie den alten Baumbestand schützt.


An diesen Orten finden die Kinder und Eltern des Pogwischrunds zusammen, um gemeinsam zu spielen und Feste zu feiern.


(Siehe auch www.treffpunkt-pogwischrund.de)





UPDATE / Aktualisierung November 2015:


Lesen Sie hier von dem wunderlichen weiteren Verlauf der Situation:


UND DANN WURDE ES RICHTIG SCHRÄG...